Rückblick 1: Am 3. Juni 1976 öffnete die Freiberger Stadtbibliothek das erste Mal ihre Türen für ihr Publikum mitten im neugeschaffenen Zentrum der Stadt. 50 Jahre Bibliotheksgeschichte werden wir im Laufe der nächsten Wochen Stück für Stück beleuchten, hier in den Freiberger Nachrichten und auf der Website der Stadtbibliothek: www.stadtbibliothek-freiberg.de.
Beginnen wollen wir mit einem Blick in die Zeit vor 1976: Gab es schon davor Büchereien in Freiberg a.N.? Ja, und zwar gleich drei Stück davon, in jedem Ortsteil eine. In Heutingsheim und Geisingen war diese in der Schule untergebracht und drei Stunden in der Woche geöffnet. Die Bücherei in Geisingen sogar schon seit 1959. Die größte Bücherei gab es damals im Alten Schloss von Beihingen, diese war seit 1968 jeweils 4 Stunden in der Woche geöffnet und sehr beliebt. Rektor i.R. Gürtler kümmerte sich um Bestand und Ausleihe, so auch um die „Zugangs- und Abgangsliste“, in die jedes Buch handschriftlich inventarisiert wurde. Mit diesen Listen arbeitete die ersten Jahre auch die neu gegründete Stadtbibliothek.

Bibliothek im Beihinger Schloss ———————————–
Rückblick 2: Mitten im Zentrum startete die Stadtbibliothek im Juni 1976 fürs Publikum mit insgesamt 8 Öffnungsstunden an drei Tagen die Woche. Nach außen öffneten sich die Türen für alle Freiberger Bürger, nach innen ging jeweils eine Tür ins Lehrerzimmer und in den Schulbereich der Oscar-Paret-Schule. Gleich von Anfang an nahmen die Freiberger das Angebot der Bibliothek sehr gut an: Die Schüler leihten schulunterstützende Bücher aus, arbeiten mit dem Bestand vor Ort; Bücher zum entspannten Lesen in der Freizeit waren ebenso beliebt. Von Anfang an waren Bilderbücher für die ganz Kleinen bei den Eltern der Ausleihrenner.
Schnell zeigte sich jedoch: Der Platz in der Bibliothek reichte nicht aus, weder für die vielen Besucher noch für die Bücher selbst. Die Regale konnten keine neuen Bücher mehr aufnehmen und die Schüler fanden nicht ausreichend Sitz- und Arbeitsplätze. Die Kinderwägen blockierten Wege. Auch die Veranstaltungen konnten nicht drinnen stattfinden, sie waren auf gutes Wetter angewiesen, denn sie fanden draußen vor der Bibliothek statt. Wenn es nicht regnete, kamen die Besucher zahlreich zu den Aktionen. Vor der Bibliothekstür war damals viel Platz, denn die Niedrigbebauung vor der Bibliothek existierte zu dem Zeitraum noch nicht.
Bereits sieben Jahre später, 1983, bekam die Bibliothek zwei Klassenzimmer der OPS zu ihren Räumlichkeiten dazu. Jetzt war Platz genug: für Besucher, Bücher und auch Veranstaltungen. Jedes Jahr meldeten sich hunderte von neuen Lesern an, schon im ersten Jahr ließen sich 1288 Bürger einen Bibliotheksausweis ausstellen. Die Nachfrage nach Büchern steigerte sich, die Ausleihen wuchsen jährlich und die Öffnungszeiten erweiterten sich nach und nach auf 20 Stunden die Woche. Es zeigte sich schon in den ersten Jahren: Die Freiberger Stadtbibliothek ist ein wichtiger Bestandteil des Ortszentrums.

Kleiner Platz gut belegt——————————-
Rückblick 3: Die Schaltzentrale der frisch geschaffenen Bibliothek war die Theke: orange-weiß und mit einem großen Fach versehen, in das Buchkarten einsortiert wurden. Alle Bücher hatten hinten im Buch eine zugehörige Buchkarte. Lieh ein Leser ein Buch aus, so wurde die Karte entnommen und handschriftlich die Lesernummer eingetragen.

Handschriftliche Einträge der Lesernummern ———————-
Damit man wusste, wann das Buch wieder abgegeben werden sollte, stempelte das Bibliothekspersonal das jeweilige Abgabedatum auf den Fristzettel jedes ausgeliehenen Buches. Die Buchkarten aller ausgeliehenen Medien wurden tagsüber gesammelt und schließlich nach Nummer sortiert und unter dem Abgabedatum abgelegt.

Ganz viel muss sortiert werden, Leserkarten, Buchkarten, Katalogkarten ————————-
Damit man wusste, welche Bücher die Bibliothek hatte, gab es einen großen Zettelkasten, in dem Karteikarten einsortiert waren. Eine Karte war alphabetisch nach dem Autor einsortiert, die zweite nach dem Titel des Buches und die dritte zeigte mit dem Schlagwort das Thema an.

Karteikarten gab es zu jedem Titel mehrfach: Autorenkarte, Titelkarte, … ———————–
Das Bibliothekspersonal verbrachte viel Zeit damit, Ausweise für die Leser mit der Schreibmaschine zu schreiben, Katalogkarten und Buchkarten zu erstellen und dieses alles täglich stundenlang zu sortieren. Anfangs ging das noch, aber die Ausleihe und somit der Buchkartenstapel wuchs in kurzer Zeit so rasant, dass 1993 mit der Umstellung des Bibliothekssystems auf EDV begonnen wurde. Alle Leser- und Katalogdaten wurden innerhalb von zwei Jahren in den Computer eingegeben, die Bücher selbst mit einer Mediennummer versehen. Bei der Umstellung half damals ein Oberstufenschüler.
In diesem Zuge wurden auch gleich die Romane nicht mehr von A-Z nach dem Autor, sondern nach Interessenskreisen aufgestellt. So fand man nun einen Thriller im Thriller-Regal, einen Liebesroman im Regal „Liebe“. Das half den Lesern, ihr Genre schnell zu finden. Die Romanausleihe stieg innerhalb von einem Jahr auf fast das Doppelte.
Rückblick 4: Bibliothek, das heißt übersetzt „Ort der Bücher“. Bücher sind und waren schon immer Schwerpunkt von Bibliotheken, sie dienen der Lese- und Literaturförderung, der Wissensversorgung und Freizeitgestaltung. Sie unterstützen beim Bildungserwerb und durch den freien, kostengünstigen Zugriff bei der Chancengleichheit. Seit vielen Jahren müssten Bibliotheken eigentlich Mediatheken heißen, denn es gibt hier viele andere Medien. In Freiberg am Neckar haben beispielsweise 1977, also bereits ein Jahr nach der Eröffnung der Bibliothek, Gesellschaftsspiele ihren Platz im Regal gefunden. Diese waren sofort beliebt und stark nachgefragt, auch heute noch gehören sie zu den Ausleihrennern. Nehmen sie doch zu Hause viel Platz weg und hat man gerne Abwechslung nicht nur in der Lektüre, sondern auch beim Spielen.
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Gesellschaftsspiele, von Anfang an ein beliebtes Medium———————————————–
1985 kamen Kassetten hinzu, 1992 ein CD-Bestand mit Jazz und Klassik, 1998 CD Rom mit Lernspielen für Kinder. Im Jahr 2000 kamen 400 Videokassetten für Kinder hinzu und der Zeitschriftenbestand umfasste 65 Abonnements. Medien sind im Umbruch, die Kassetten wurden durch CDs und DVDs ersetzt, hinzu kamen im Laufe der nächsten Jahre ein Internetanschluss, Blue-Rays, Konsolenspiele für Kinder und schließlich der absolute Ausleihrenner: die Tonies. Dieses Medium in Form von bunten Figuren begeistert Kinder und ergänzt das Kinder-CD-Angebot. Mehr als 1500 Tonies finden sich heute in der Freiberger Stadtbibliothek, jeder einzelne wird im Durchschnitt zwölf Mal ausgeliehen im Jahr.

Tonies, der absolute Ausleihrenner ————————————
Auch die Onleihe, die im Verbund mit 30 anderen Bibliotheken im Landkreis Ludwigsburg ePaper, eMagazine, eBooks und eAudios anbietet, wird gerne angenommen. Das neueste Medium im Bestand ist die „Bibliothek der Dinge“, die vielfältig Dinge umfasst, die man sich gut teilen kann, weil man sie nicht permanent zu Hause braucht, oder aus Platz- und Kostengründen auch nicht haben will. Hier finden sich Nachtsichtgeräte, Jongliersets, Flip-Kicks, Mikroskop, Smart-Train, Lernroboter und vieles mehr.

Abgegebene Spiele, bereit zum Zählen auf Vollständigkeit —————————————
Eine Bibliothek ist ein Ort des permanenten Wandels, angepasst an die gesellschaftlichen Veränderungen, an den Wechsel im Medienangebot. Ihre Aufgabe ist nicht nur, diese bereitzustellen, sondern auch Medienkompetenz zu vermitteln. So bleibt gespannt zu warten, was sich noch an Medienvielfalt entwickeln wird, auf das, was die Freiberger Stadtbibliothek in Zukunft anbieten wird. Eines ist jedoch sicher: Das Kulturgut des Buches wird ein wichtiger Bestandteil jeder Bibliothek bleiben.




